Stephan Müller, Berlin

Preisträger max40 – Junge Architekten 2011

Wohnhaus, Lahnau-Atzbach

Lahnau-Atzbach

Stephan Müller, Berlin
Projekt
Wohnhaus
Architekt
Dirk Miguel Schluppkotten, Architekt BDA, Frankfurt am Main
Bauherr
Markus Schepp

Wohnhaus, Lahnau-Atzbach

Für den Bau seines Wohnhauses in einem neu erschlossenen und noch kaum bebauten Wohngebiet hatte der Bauherr ein präzise definiertes Raumprogramm vorgegeben. Hinzu kamen die Bestimmungen eines für solche Neubaugebiete typischen Bebauungsplans: offene Bauweise, Grenzabstände, Dachneigung. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Suche nach einem die Gestaltung
leitenden Thema.

Einen ersten Ansatzpunkt bot etwas scheinbar so Nebensächliches wie die Garage. Denn oft sind es solche Nebengebäude, die die ohnehin eingeschränkten räumlichen Qualitäten einer offenen Bauweise zusätzlich mindern. Schon sehr früh fiel deshalb die Entscheidung, die Garage in das Gebäude zu integrieren. Eine weitere wichtige Randbedingung war, dass die nördlich angrenzenden Grundstücke von Freunden des Bauherrn erworben und bebaut wurden. Eine Ausrichtung und Öffnung des Hauses auf die Gärten der Nachbarn war gewünscht, auch weil sich auf der Südseite des Grundstücks die Straße befindet. Die sonst als ideal empfundene Situation war hier also in ihr Gegenteil verkehrt: Die Erschließung liegt im Süden, der Garten im Norden. Gute Orientierung und gute Belichtung schließen sich scheinbar aus – dennoch sollten, so die weiteren Überlegungen, beide Qualitäten gleichzeitig im Raum erfahrbar sein.

Zwei gefaltete Betonbänder, die primären strukturellen und raumbildenden Elemente des Gebäudes, verschränken sich ineinander. Wie aus einer Rotationsbewegung entstanden, fügen sich die Räume um ein Zentrum aneinander. Dieses Konzept wird von der inneren Wegeführung, einer Vielzahl von Raumbezügen und der Dachform aufgegriffen und verstärkt und differenziert interpretiert. Die beiden Betonbänder stehen nur an wenigen Stellen auf dem Boden auf. Das Erdgeschoss öffnet sich allseitig durch über Eck verlaufende, weit gespannte Auskragungen. Im Süden entsteht so eine großzügige Eingangssituation, eine Qualität, die dadurch verstärkt wird, dass Garagentor und Eingangstür mit dem gleichen Material bekleidet sind.

Über den Eingangsbereich und einige dem Geländeverlauf folgende Stufen erreicht man das Esszimmer. Als öffentlichster Raum des Hauses öffnet es sich auf der gesamten Länge zum Garten. Von hier führt der Weg ins Obergeschoss, wo das Wohnzimmer das introvertierte, ausschließlich zenital belichtete Gegenstück zu den offenen Räumen des Erdgeschosses bildet. Zwei Reihen von Oberlichtern, die in Position und Neigungswinkel an den Verlauf des Dachtragwerks angepasst sind, versorgen die Innenräume nicht nur mit Tageslicht, sondern lassen sie im gesamten Tagesverlauf in immer neuen Lichtstimmungen erscheinen.

Stephan Müller, Berlin
Stephan Müller, Berlin
Stephan Müller, Berlin
Stephan Müller, Berlin
Stephan Müller, Berlin
Stephan Müller, Berlin

Preisträger

max40 – Junge Architekten 2011

Beurteilung der Jury

In diesem Einfamilienhaus wird mit einem intelligenten Raumkonzept eine Struktur geschaffen, die sowohl Offenheit als auch Rückzugsbereiche auf verschiedenen Ebenen miteinander verbindet. Dafür werden auf überraschende Weise Raum- und Tragwerkstruktur durch ineinander gesteckte, gefaltete Betonbänder genutzt, ohne dass sich die konzeptionelle Idee in den Vordergrund spielt.
Berücksichtigt werden auf fantasievolle und selbstverständliche Weise der Wunsch nach einer Garage, die Erschließung von Süden sowie die für Einfamilienhäuser üblichen Vorgaben.