Jan Bitter

Preisträger BDA-Preis Sachsen 2019

Umbau Hauptbahnhof Chemnitz

Chemnitz

Jan Bitter

Umbau Hauptbahnhof Chemnitz

Chemnitz
Projekt
Umbau Hauptbahnhof Chemnitz
Architekt
Grüntuch Ernst Architekten, Berlin
Bauherr
Verkehrsverbund Mittelsachsen, Chemnitz

Beurteilung der Jury zum Architekturpreis des BDA Sachsen 2019:

Die monumentale Hallenkonstruktion des Chemnitzer Hauptbahnhofs aus den 70er Jahren reiht sich in die Elemente des großmaßstäblichen Städtebaus dieser Zeit ein, welche die Stadt Chemnitz bis heute genauso prägen, wie die baulichen Strukturen aus den Zeiten der Industrialisierung. Die Stadt schaut auf eine umfangreiche Industriegeschichte zurück, deren starke Maschinenbau- und Textilindustrie ihr einst den Namen „sächsisches Manchester“ gab.
Tragisch erscheint die Entscheidung der Deutschen Bahn 2006, Chemnitz als Stadt mit 250.000 Einwohnern vom Fernverkehrsnetz abzukoppeln und nur noch durch Regionalverkehr mit Dresden, Leipzig oder Nürnberg zu verbinden.
Der dadurch in Frage gestellte große Bahnhof wurde damit Fluch und Segen zugleich.
Mit dem Verkehrskonzept „Chemnitzer Modell“ des Verkehrsverbund Mittelsachsen, welches die Zusammenlegung des Bahnnetzes mit dem Schienennetz der Straßenbahnen schafft, wird das vermeintliche Problem zu einem starken infrastrukturellen Vorteil umgewandelt. Die Straßenbahnen können damit nicht nur die bestehenden Schienenanlagen, sondern auch die freigewordenen Kapazitäten in der großen Bahnhofshalle nutzen und direkt dort einfahren. Umsteigen leicht gemacht!
Die Architekten Grüntuch Ernst fügten der ambitionierten Aufgabe noch das passende Kleid hinzu. Sie öffneten die große Halle, die früher hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt wirkte, durch Abriss des flankierenden Seitenbaus und schafften mit einer großen Geste eine neue, direkte, großzügige und vor allem sichtbare Öffnung zwischen Bahnhof und Stadt. Diese bespielen sie im großen Maßstab mit einer Membranfassade aus ETFE-Kissen, die mit einer Lichtinstallation der Künstlergruppe Random international bereits von weither sichtbar ist. Im kleinen Maßstab schaffen sie zonierte Aufenthaltsbereiche, die sich durch geschickt eingesetzte Spiegeleffekte gut mit der Halle zu verbinden scheinen.
Die Jury würdigt in gleichem Maße Konzept, Bauherren und Architekten für ein ausgesprochen zeitgemäßes Infrastrukturprojekt, das den öffentlichen Nahverkehr wieder „ins Zentrum holt“ und ihm die verdiente Aufmerksamkeit gibt.

Jan Bitter
Jan Bitter
Jan Bitter
Jan Bitter