Themen

Walter von Lom – sein Werk wandert jetzt ins Museum

29. März 2019

Der Pylon für Dortmund von Walter von Lom als Projektion im Lichthof des neuen Baukunstarchivs: Davor eine Skulptur von Sebastian Wien. Architektur trifft Kunst, die Liaison gehört zum Ausstellungskonzept in Dortmund.
©Detlef Podehl
©Detlef Podehl
Der Kölner Architekt Walter von Lom ganz entspannt: Sein Werk kann sich nicht nur sehen lassen, es ist auch komplett aufgearbeitet, gut vorsortiert und wandert demnächst als Vorlass ins Baukunstarchiv. Eröffnung der Ausstellung „Einpassung und Eigensinn“ im Baukunstarchiv NRW, Dortmund
©Detlef Podehl
©Detlef Podehl
Ausstellung „Einpassung und Eigensinn“ im Baukunstarchiv NRW, Dortmund

Erst einmal stellt Walter von Lom im Baukunstarchiv NRW „nur“ aus und zeigt an ausgewählten Bau-Beispielen aus vier Jahrzehnten, wohin „Eigensinn und Anpassung“ im besten Sinne für Städte und die Menschen, die darin leben, führen kann. Der Titel seiner Werkschau, die in Dortmund bis zum 10. Mai zu sehen ist, beschreibt den Gestalter ganz gut. Eigensinnig und kämpferisch, wenn es um seine Architektur geht, gleichwohl sensibel im Umgang mit der gebauten Umgebung.

Mit „Vorsicht, Rücksicht, Umsicht“, so beschreibt es Andreas Denk, Kurator der Ausstellung und  Chefredakteur von „der architekt“, begegnet von Lom der baulichen Nachbarschaft – ob in Köln bei seinem Erstling als selbständiger Architekt in der Rheingasse, ob in der Alstadt von Lemgo, als die Zeichen in den 1970er Jahren auf Abriss standen, ob bei Kirchenbauten oder der Ergänzung einer „Platte“ in Berlin-Marzahn. Mitunter ist auch „Nachsicht“ mit den Bauten der Kollegen, so Denk, eine gefragte Tugend des Kölner Architekten. Walter von Lom wurde schon in den 1970er Jahren für seine „Kunst der Lücke“ bekannt. Seine damals neue Art, in sensible Bestände alter Städte Bauten mit zeitgemäßen Formen und Materialien einzupassen, war seinerzeit sogar dem Magazin Der Spiegel einen Beitrag wert.

Walter von Lom hat im Laufe seines Berufslebens an mehr als 250 Wettbewerben teilgenommen. Und konnte immerhin bei rund der Hälfte der Ausschreibungen nicht nur gewinnen, sondern anschließend auch bauen.

©Detlef Podehl
©Detlef Podehl
Auch Baukunstarchiv-Geschäftsführer Markus Lehrmann lobte bei der Begrüßung zur Ausstellung von Loms unermüdliches Engagement für ein Architektur-Archiv, ein Baukunstarchiv NRW. Das zählte seit der Eröffnung im November 2018 bereits mehr als 4000 Besucher.

Die aktuelle Ausstellung in Dortmund über Werk des bedeutenden Kölner Architekten ist eine Kooperation des Baukunstarchiv NRW, des UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft und des Bund Deutscher Architekten Nordrhein-Westfalen. Die im Ungers Archiv in Köln anlässlich von Loms 80. Geburtstages gezeigte Präsentation ausgewählter Arbeiten aus 40 Jahren ist ergänzt worden um Projekte u.a. aus Bochum, Oberhausen und Dortmund. Zu sehen sind 22 wichtige Bauten für von Lom, u.a. der Pylon U-Bahnhof an der Reinoldikirche, der in den 1980er Jahren für Aufregung und Aufsehen sorgte, die erweiterte Kirche St. Maria Heimsuchung in Herten-Langenbochum, auch die Neubauten am Marktplatz in Lemgo, das Kaufhaus Leffert in Bonn, die Kontorhäuser Transnautic in Hamburg oder das wunderbare Holz- und Touristikzentrum Schmallenberg.

Die Sammlung ist „gut vorsortiert“

2012 hat sich von Lom, der bei seiner Arbeit stets die städtebauliche Dimension von Architetur im Blick hatte, aus seinem Büro zurückgezogen. Die Ausstellung in Dortmund ist Teil seines Vorlasses, das in Bälde im Baukunstarchiv NRW seinen Platz findet. Für das bevölkerungsreichste und bauintensivste Land sei das Werk von Walter von Lom sehr wichtig. Betont Prof. Wolfgang Sonne, der wissenschaftliche Leiter am Ostwall 7, der auch persönlich von dem Kölner Baumeister und seinem Beitrag für die Forschung zum Städtebau immer beeindruckt war, wie er sagt. Das Werk von Loms sei „gut vorsortiert“ lobt Sonne und wird in Dortmund schon erwartet.

Nicht zuletzt engagierte sich Walter von Lom, der immer noch Zeit fand für Preisgerichte, Gestaltungsbeiräte und ehrenamtliche Arbeit für den BDA, schon sehr früh für ein Architekturmuseum in NRW, ein Baukunstarchiv und folgerichtig sofort in dessen Förderverein. Mindestens fünf Bauminister hat er von der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung zu überzeugen versucht, erzählt von Lom bei der Ausstellungseröffnung mit der ihm eigenen Bescheidenheit. Vom neuen (alten) Haus am Ostwall zeigt er sich begeistert.

Es darf als kleine Sensation gelten, das mit Walter von Lom das erste Erbe eines renommierten Architekten aus dem Rheinland ins westfälische Dortmund wandert. Simone Melenk

Der BDA Dortmund Hamm Unna hatte in der Eröffnungswoche bereits zu einer exklusiven Führung mit Walter von Lom eingeladen. Foto: Simone Melenk

Ausstellung Einpassung und Eigensinn: bis 10.Mai 2019,

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 14–17 Uhr
Do 14–20 Uhr, Mo geschlossen.

Großer Bahnhof in Dortmund für einen Kölner Architekten: (v.l.) Prof. Wolfgang Sonne, BDA-Landesvorsitzender Gert Lorber, Walter von Lom, Baukunstarchiv-Geschäftsführer Markus Lehrmann. ©Detlef Podehl
Die Ausstellung wurde in Kooperation des Baukunstarchiv NRW, des UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft und des Bund Deutscher Architekten Nordrhein-Westfalen in Köln konzipiert. ©Detlef Podehl
Zur Ausstellungseröffnung konnte Walter von Lom viele Weggefährten begrüßen. ©Simone Melenk
Auch der ehemalige Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (Mitte), der von 2005 bis 2010 die Kulturpolitik des Landes entscheidend mitprägte, war gekommen. ©Simone Melenk
Walter von Lom ©Detlef Podehl
Die im Ungers Archiv in Köln anlässlich von Loms 80. Geburtstages gezeigte Präsentation ausgewählter Arbeiten aus 40 Jahren wurde ergänzt um Projekte u.a. aus Bochum, Oberhausen und Dortmund. ©Detlef Podehl
Modellbau früher und heute: Als Bäume noch echt waren, hier gebastelt aus getrockneter Fetthenne. ©Detlef Podehl
Walter von Lom im Gespräch mit dem neuen Vorstandssprecher der BDA-Gruppe Dortmund Hamm Unna, Marcus Patrias. ©Simone Melenk